Perlen der Demenz

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Eine Familie findet ihren Weg

Roman

Paperback, 320 Seiten
ISBN 978-3-931560-05-8

Beschreibung

Was am Ufer des Meeres Glaube genannt, ist im Zentrum der Perle ein Wissen.

Über das Buch:

Dies ist eine wahre Geschichte, die vom Anfang einer Demenz bis hin zum Tod ergreifend, tiefgründig und mit einer guten Prise Humor erzählt wird.
Almut Pfriem schreibt aus zwei Perspektiven: Da ist einmal die Mutter, der es schmerzlich bewusst ist, dass sie immer mehr und immer öfter vergisst – und da ist zum anderen die Tochter, die gemeinsam mit ihren Geschwistern versucht, einen für alle gangbaren Weg zu finden. Und das gelingt!

„Perle für Perle öffnet sich ein Raum aufgespannt zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod, zwischen Liebe und Herausforderung. Ein wichtiges und bewegendes Buch zum Thema Demenz und wie eine Familie dieses Schicksal bewältigt!“ (Monika Stolina-Wolf, Lektorin)

„Die Autorin hat die Gabe, Momente in ihrer durchscheinenden Ganzheit zu erfassen. Zwischen all den Zumutungen scheinbarer Dysfunktionalität ploppen in ihrer Erzählung allerhand wundersame Liebenswürdigkeiten auf, ein Reigen bunter Seifenblasen: Unter jedem Plopp offenbart sich das Erhabene – die Liebe selbst.“ (Esther Kochte, Autorin)

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Mehr zur Autorin

Almut Pfriem

Almut Pfriem

Als Mittlere von fünf Kindern wuchs ich in den Sechzigerjahren auf. Früh schon interessierten mich Fragen, die sich nicht so einfach beantworten ließen. Oft saß ich einfach nur da im Versuch, mir das Nic...

Leseprobe

Das Wasser fließt, unerbittlich nimmt es seinen Lauf. ‚Schön, wie der Fluss plätschert, bis hierher kann ich ihn hören, oh, wie schön …‘ Sie sitzt an ihrem Tischchen im Wohnzimmer. Die Sonne scheint durch die Gardinen. ‚Das muss ich Gabriela gleich sagen, wenn sie nachher kommt.‘ Sie schenkt sich Tee ein und strahlt. Das gluckernde Geräusch des Tees verbindet sich mit dem Plätschern des Wassers. Sie genießt die Ruhe, den Frieden und ihre Vorfreude auf den Besuch ihrer Tochter. Sie hat Zeit und Raum für ihre Gedanken. Als ihre Kinder noch klein waren, hatte sie selten Zeit für sich. ‚Schön war’s, aber oft auch viel. Ach, und mein Garten! – Jetzt habe ich zu viel Zeit. Nun ja …‘ Mechanisch steht sie auf und geht durch den Flur. ‚Komisch, seit wann ist hier Wasser? Ist das nun … – oder etwa …? Aber nein, meine Füße sind ganz nass!‘, sie runzelt die Stirn. ‚Oder? Oh je!‘ Sie läuft auf dem Weg zum Schuhschränkchen an der Tür zum Bad vorbei. ‚Komisch!‘ Sie sieht das Wasser unter der Tür hervorquellen und öffnet sie gegen seinen Widerstand. ‚Oh je! Oh Gott, oh Gott! Hilfe! Wo kommt denn all das Wasser her? Ich weiß einfach nicht … Es ist zum Mäusemelken: so viel Wasser! Ich weiß langsam gar nichts mehr. Oh Gott, was ist bloß los hier? Was ist los mit mir? Passiert das wirklich? Oder etwa wieder nur …?‘
Sie sinkt auf den Rand der Badewanne. ‚Ich kenne mich gar nicht mehr!‘, seufzt sie. ‚Es wird mir alles zu viel, alles fließt, fließt durcheinander. Werde ich nun tatsächlich verrückt?‘ Mit großen runden Augen schaut sie auf das Wasser, welches sich wie ein Wasserfall vom Rand des Waschbeckens aus auf den Boden ergießt. Da beginnen ihre Augen plötzlich zu strahlen. ‚Das ist aber schön, das sieht wirklich schön aus. So ein Schauspiel – nur für mich? Schön!‘ Sie sieht die volle Gießkanne unter dem laufenden Wasserhahn stehen und beobachtet, wie sich das Wasser ins Waschbecken ergießt, das bis zum Rand gefüllt ist. ‚Wie ein See‘, denkt sie. Die Oberfläche ist ganz ruhig. Erst am Rand des Beckens gerät das Wasser in Bewegung, fällt auf den Boden des Badezimmers und bildet dort einen Fluss. ‚Ui, meine Füße stehen in dem Bach – pitsch, patsch.‘ Ihr Gesicht verdüstert sich schlagartig. ‚Werde ich jetzt wieder gefoppt?‘ Das Wasser reicht ihr schon bis zu den Knöcheln und ihre um Hilfe suchenden Augen beginnen nun ebenfalls überzufließen. ‚Und nun? Was jetzt? Ein einziges Durcheinander! So viel Wasser! Wasser, Wasser, Wasser. Ein einziges Wasser. Kennt sich hier noch irgendwer aus?‘ Völlig überfordert beobachtet sie den Lauf der Dinge. ‚Da ist keiner. Keiner, der mir helfen kann. Ich fürchte sogar, mir ist nicht mehr zu helfen.‘ Ganz langsam kommt aus der Ferne die Erinnerung: Sie wollte die Blumen gießen und Tee kochen. Dazu hatte sie die Kanne im Bad unter den Wasserhahn gestellt und war dann in die Küche gegangen, um den Wasserkocher einzuschalten. Sie hatte die Tasse auf den Tisch gestellt … ‚Oh Gott! ICH HAB’S VERGESSEN! Ich hab die Gießkanne vergessen!‘ Leben kehrt zurück in ihre Glieder, gepaart mit Angst. Schnell läuft sie in die Küche und holt eine Schüssel. Neben der Badewanne kniet sie sich ins Wasser und beginnt es in die Wanne zu schöpfen. ‚Gott sei Dank, jetzt kenne ich mich wieder aus. Nein, nein! Ich brauche keine Hilfe. Ich schaffe das schon! Ich schaffe das auch alleine. Ihr werdet es alle sehen. Ich kann es euch allen beweisen!‘ Sie schöpft um ihr Leben, schöpft um ihre Freiheit, schöpft um ihre Selbstständigkeit, schöpft um ihre Selbstachtung. ‚Wäre ja gelacht, ich habe schon so viel geschafft! Das muss mir erst mal einer nachmachen! Das schaffe ich jetzt auch noch!‘ Und sie schöpft.

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